Provinz Pinar del Río
Unterstützung von Einzelbauern
Ort: Kreise Pinar del Río, Consolación del Sur, San Luis und San Juan y Martínez in der Provinz Pinar del Río, Republik Kuba
Titel: Unterstützung zur Erhöhung der Milch- und Gemüseproduktion sowie der Diversifika-tion mit Kleinvieh in der Provinz Pinar del Río
Laufzeit: 5 Jahre (Juli 2007 - Juni 2012)
Projektpartner: Kubanische Vereinigung für Tierproduktion (ACPA) und Cuba Sí, AG in der Partei DIE LINKE.
Projekthaushalt: 112.475,40 CUC (entspricht rund 92.000 Euro) Dieser Betrag wird von Cuba Sí zu 100 % aus Spendenmitteln erbracht.
Beschreibung der Projektumgebung
Schwerpunkte für die Projektumsetzung und Investitionen
Beschreibung der Projektumgebung:
Die Provinz Pinar del Río liegt im westlichen Teil Kubas.
| Fläche: |
10.931 km² |
(Kuba: 110.860 km²) |
| Einwohnerzahl: |
740.107 | (Kuba: 10,9 Mio.) |
| Bevölkerungsdichte: |
68,7 Einwohner pro km² |
(Kuba: 100 Einwohner/km² ) |
64% der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten. Die Provinz ist in 14 Kreise unterteilt. Das Projekt schließt vier dieser Kreise ein: Pinar del Río, San Juan y Martínez, San Luis und Consolación del Sur. Die produktiven und sozio-ökonomischen Indikatoren dieser Kreise weisen auf verschiedene Entwicklungs-probleme hin. So besteht beispielsweise in der Bevölkerung ein Defizit in der Versorgung mit tierischen und pflanzlichen Proteinen.
Darüber hinaus ist diese Region in den letzten Jahren von mehreren schweren Wirbelstürmen heimgesucht worden. Zusätzlich verursachten sehr lange Trocken-perioden, abgelöst von sehr kurzen, aber intensiven Regenperioden, ernsthafte Schäden in der Landwirtschaft.
Kurzdarstellung der Produzenten des Projektes (zu Projektbeginn)
Das Projekt bezieht sowohl einzelne Produzenten als auch ganze Betriebe ein. Zu den begünstigten Betrieben gehören die Genossenschaft UBPC „Agricultura urbana“, die UBPC „Lechera Nr. 3“, das Zentrum für Kleintierzucht (Centro Multiplicador) im Kreis Pinar del Río und der Betrieb UEB „Baro“ im Kreis Consolación del Sur.
Die Genossenschaft UBPC „Lechera Nr.3“ und die UEB „Baro“ produzieren vorrangig Kuhmilch. Die Genossenschaft UBPC „Agricultura urbana“ verfolgt als Hauptziel die Produktion von Gemüse. Das Zentrum für Kleintierzucht ist für die Haltung und Verbreitung von Kleinvieh wie Ziegen, Schafen und Schweinen verantwortlich.
Mangel an Betriebsmitteln, ungünstige klimatische Bedingungen und schlechte Böden behindern die technologische und produktive Entwicklung dieser landwirtschaftlichen Betriebe. Sie können dadurch keine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmittel aus eigener Produktion gewährleisten. Die fehlenden Betriebsmittel führten unter anderem zu einem baulichen Verfall der Ställe und anderer Gebäude der Betriebe sowie zu Problemen bei der Wasserversorgung.
Die einbezogenen Einzelproduzenten leben in der Stadt Pinar del Río sowie in den Kreisstädten San Luis und San Juan y Martínez. Sie produzieren zum Eigenbedarf und verkaufen ihre Überproduktion an die Bevölkerung. Ihre Arbeit wird durch fehlende Ressourcen und teilweise mangelndes Know How beeinträchtigt. Zusätzlich sind sie von dem Verlust der genetischen Vielfalt ihrer Zuchttiere betroffen, was ebenfalls ihre Produktionsergebnisse verringert.
Begünstigte Personen
Begünstigte sind die 1312 Familienmitglieder der beteiligten Kleinvieh- und Geflügelzüchter und der Mitarbeiter der vier einbezogenen Betriebe.
Indirekt werden ungefähr 72.000 Einwohner der Städte in der Region begünstigt, die die erzeugten landwirtschaftlichen Produkte besserer Qualität erwerben können.
Schwerpunkte für die Projektumsetzung und Investitionen
Allgemeines Ziel:
- Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung in 4 Kreisen der Provinz Pinar del Río
Spezifische Ziele:
- Verbesserung der Lebensqualität durch bessere Ernährung, Schaffung von Arbeitsplätzen für Frauen und Steigerung der Einkommen geringver-dienender Familien durch die Haltung von Kleinvieh und Geflügel
- Einführung eines Modells für die integrale Entwicklung einer landwirtschaft-lichen Kooperative
- Erhöhung der Produktion und der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und Dienstleistungen für die landwirtschaftliche Produktion
1. Diversifikation der Produktion
Ein Schwerpunkt des Projektes besteht in der Bereitstellung von Materialien zum Aufbau bzw. zur Reparatur und zum Betrieb der verschiedenen Produktionsanlagen.
Neben Investitionen in die Kuhmilchproduktion werden auch Fleischproduzenten und Gemüsebauern unterstützt, um die Qualität verschiedener landwirtschaftlicher Produkte der Region zu verbessern.
Allein 35.120 CUC werden in die Infrastruktur der zwei milchproduzierenden Betriebe investiert, um bauliche Mängel zu beseitigen und Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Zur Wassergewinnung werden 5 Windräder auf den Weideflächen installiert. Von den besseren Arbeitsbedingungen und den durch Produktionssteigerung erhöhten Löhnen werden die 214 Familien der Mitarbeiter dieser Betriebe profitieren. Nach Abschluss des Projektes ist eine Produktion von 365.000 Litern Kuhmilch pro Jahr geplant.
Weitere 114 Familien werden einen Nutzen aus den Investitionen in die Kleinviehhaltung (33.945 CUC) und die Gemüse- und Humusproduktion (14.085 CUC) haben.
Haltung von Kleinvieh:
Von den Investitionen in die Kleinviehhaltung profitieren 79 Einzelerzeuger sowie das Zentrum für Kleintierzucht. Neben umfangreichen Weiterbildungsmaßnahmen werden die für die Kleinviehhaltung notwendigen Arbeitsgrundlagen geschaffen bzw. verbessert. Durch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kleintierzucht erhalten die Einzelproduzenten die Möglichkeit zum Kauf neuer Zuchttiere zur Verbesserung des genetischen Potentials ihrer eigenen Zucht.
Die Produkte der Einzelerzeuger dienen der Selbstversorgung. Überschüssige Produkte werden verkauft und steigern die Einkommen der Familien.
Die Ziegenmilch, die von den Einzelerzeugern und im Zentrum für Kleintierzucht produziert wird, kommt den in der Region lebenden 85 Kinder mit Laktoseunver-träglichkeit zu Gute.
Folgende jährliche Produktionsergebnisse werden nach Projektende erwartet:
- 27.648 kg Schweinefleisch (3 Einzelerzeuger)
- 4.200 kg Kaninchenfleisch (20 Einzelerzeuger)
- 3.600 kg Hammelfleisch (20 Einzelerzeuger)
- 63.000 Hühnereier (30 Einzelerzeuger)
- 16.425 Liter Ziegenmilch aus dem Zentrum für Kleintierzucht und weitere 7.600 Liter aus der Produktion von 6 Einzelerzeugern
Gemüse- und Humusproduktion:
Zur Steigerung der Gemüseproduktion errichtet die Genossenschaft UBPC „Agricultura Urbana“ mit Hilfe der finanziellen Mittel des Projektes ein Gewächshaus für die Zucht von Pflanzstecklingen. Diese Gemüsestecklinge wird sie an die 14 in der Region vorhandenen Gemüseproduzenten (Organopónicos) verkaufen. Geplant ist eine Produktion von über 1 Million Stecklingen jährlich.
Weiterhin wird eine 750 m² große Anlage zur Produktion von Humus in Betrieb genommen, die jährlich 1.400 t Humus herstellen wird. Dieser Humus kommt dann in der Gemüseproduktion und auch zur Verbesserung der Bodenqualität der Weiden zur Anwendung.
2. Weiterbildung
Die Weiterbildung der Produzenten ist der zweite große Schwerpunkt des Projektes. Der Wissensstand jedes Produzenten wird analysiert und auf dieser Grundlage ein individuelles Weiterbildungsprogramm erstellt. Für die Durchführung der Weiterbil-dungen wird eine Aula mit den notwendigen Materialien und Geräten ausgerüstet.
Außerdem werden für die beteiligten Produktionszweige Handbücher erstellt und gedruckt, in denen die wichtigsten Regeln für die Produktion unter den regionalen Bedingungen dargestellt sind. Jeder Produzent erhält ein Handbuch für seinen Produktionszweig.
In die Erstellung der Handbücher sind die entsprechenden Fachgesellschaften der ACPA (kubanischer Projektpartner) einbezogen. Diese Fachgesellschaften sind bereits in der Nachwuchsförderung und in verschiedenen Qualifizierungsmaßnahm-en in der Regionen aktiv. Eine ihrer Aufgaben ist es, den Wegzug von Fachkräften einzudämmen.
Insgesamt werden 7.934 CUC in die Weiterbildung des Personals investiert. Bei der Weiterbildung der Einzelproduzenten werden die gesamten Familien einbezogen, um auch die Kinder und Jugendlichen an diese Tätigkeiten heranzuführen.
Nachhaltigkeit
Die vom Projekt getätigten Investitionen werden zu einer höheren Produktion führen. Die Bevölkerung wird in größerem Umfang mit Nahrungsmitteln besserer Qualität versorgt werden können. Das kommt auch den Produzenten - den Betrieben und den Einzelerzeugern - zu Gute, da sie dadurch höhere Einnahmen erzielen werden. Weiterhin wird der Staat als Verantwortlicher für die Versorgung der Bevölkerung, entlastet, da er weniger Produkte aus anderen Regionen beschaffen muss.
Die Investitionen in der Gemüse- und Kleinviehproduktion werden neue Arbeitsplätze schaffen. Davon sollen vor allem 45 bisherige Hausfrauen und ihre Familien profitieren, die dadurch ein weiteres Einkommen zur Verfügung haben werden.
Die genutzten Produktionstechnologien orientieren sich an den örtlichen Beding-ungen hinsichtlich des Bodens, des Klimas und der Wasserverfügbarkeit. Auf den Einsatz chemischer Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel wird verzichtet. Stattdessen werden biologische Alternativen genutzt.
